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Meteora-Klöster:
Schweben zwischen Himmel und Erde
Die Klöster von Meteora in
schwindelnder Höhe scheinen der Erde entrückt zu sein. Einsiedler und fromme
Mönche zogen sich seit dem Mittelalter in diese einsame Gebirgslandschaft
zurück und bewahrten in ihren Kirchen kostbare Kunstwerke. Doch heute sind auch Besucher herzlich willkommen. Meteorakloster zwischen Himmel und Erde „Noch sind wir nicht ganz im Himmel, aber schon ein gutes Stück von der
Erde entfernt.“ Der das sagt, ist mindestens 80 Jahre alt, ein kleiner
Mönch in seiner schwarzen Kutte, dunklen Wollmütze und mit schneeweißem Bart. Fast taub
ist er und seine Worte sind nicht immer leicht zu verstehen. Doch unter seiner
dicken Brille blitzen kluge freundliche Augen. Auf seinen Stock gestützt
führt er die Gäste des Klosters
Metamórfosi durch die Hauptkirche, die über einem kreuzförmigen Grundriss
eine mit dem Bild des Pankrators (Jesus als Weltenherrscher) geschmückte
Kuppel trägt. Ehrfürchtig verweilt er vor den kostbaren Fresken und Ikonen,
erklärt die Darstellungen auf den Bildern der Heiligen und Märtyrer und
beendet seine Führung schließlich im Garten hinter dem Klosterhof. Von
diesem Plateau aus, mit 613 m der
höchste Punkt in der Region Meteora, reicht der Blick über die bizarren Felstürme, gelb blühenden Wiesen und dunklen
Schluchten, über die
Nachbarklöster und das Touristendorf Kalambáka bis weit über die
thessalische Ebene zum schneebedeckten Olymp. Im Mittagsdunst scheinen die
Betrachter über der Tiefe zu schweben, und so gab Athanasios, der Gründer
des Klosters, diesem Felsen den Namen "Metéoro" (der Schwebende),
ein Name, der später auf die ganze Region übertragen wurde. Wenn man von Trikala aus über die Bundesstraße 6 (E 92)
nach Norden fährt, tauchen nach ca. 20 Kilometern die riesigen
Felsblöcke, spitzen Türme und Steinnadeln der steinernen Riesen so
unvermittelt aus dem thessalischen Flachland auf, dass man sich in eine andere
Welt versetzt fühlt. So ähnlich müssen auch die ersten Einsiedler empfunden
haben, die sich seit dem 11. Jahrhundert in diese Einsamkeit zurückzogen, um
dem weltlichen Leben zu entsagen. Auf den höchsten und unzugänglichsten
Spitzen, nur unter Lebensgefahr zu erklettern, errichteten sie ihre Wohnungen
und Kirchen, und im Verlauf der Jahrhunderte entstand hier eine ganze
Klosterstadt. "Meteora" - die Schwebenden -
tauften die Mönche ihre Siedlung. Doch die geschützte Lage half nicht
immer gegen räuberische Überfälle, denn die frommen Stiftungen und
gesammelten Schätze weckten die Gier von Eroberern und kriegerischen Banden.
Und so wurden viele Klöster ausgeplündert und niedergebrannt, verfielen und
erinnern heute als Ruinen in abenteuerlicher Umgebung an die Vergänglichkeit
alles Irdischen. Einige Klöster aber, vielleicht die prächtigsten, erhoben
sich neu aus dem Schutt, größer
und schöner als zuvor. Denn die Mönche kämpften für ihren Glauben und ihre Kultur und leisteten
auch während der langen türkischen Besetzung im Verborgenen Widerstand,
indem sie z.B. heimlich die Kinder in der verbotenen griechischen Sprache
unterrichteten, ohne Rücksicht auf die schweren Strafen, die ihnen die
Machthaber auferlegten. Nicht zuletzt deswegen erweisen die Griechen, auch
wenn sie nicht sonderlich religiös sind, ihren Geistlichen große Achtung.
Heute sind in Meteora noch 7 Klöster bewohnt, davon 6 auch für Besucher
geöffnet. Um die Kosten für die Erhaltung der Gebäude und Kunstschätze
wenigstens teilweise zu decken, haben die Mönche, deren Zahl immer mehr
zurück geht, auf ein Stück ihrer Abgeschiedenheit verzichten müssen. In
unseren Tagen muss man nicht mehr auf schwankenden Leitern nach oben oder sich
gar in einem Korb mit dem Flaschenzug hinauf ziehen lassen. Dafür gibt es
bequeme Treppen und Brücken, Parkplätze für das Auto oder den Bus und oft
auch einen Souvenirshop mit frommen Heiligenbildern. Im Sommer strömen
Besucherscharen in die Region, Busunternehmen bringen ihre Gäste an einem Tag
von der Halbinsel Chalkidike oder Athen hierher und am nächsten Tag wieder
zurück. Aber in malerischer Umgebung, mit gemütlichen Tavernen, kleinen
Hotels und Campingplätzen lädt auch das beschauliche Dorf Kastraki (von gr.
Kastros = die Burg) und das lebhafte Kalambáka zu einem längeren Aufenthalt
ein. Die steilen Felsen locken Free-climber an, Wanderer finden - besonders im
Frühling und Herbst - romantische Wege durch Täler und Schluchten mit immer
neuen faszinierenden Blicken auf die schwebenden Klöster, und ohne Hektik
weilt man als Gast für einige
Stunden in dem ein oder anderen Kloster und lässt sich von der Ruhe und
Gelassenheit der Bewohner anstecken. Das größte und älteste Kloster Metamórfosi (auch Megalo Meteoro genannt)
sowie das Nonnenkloster St. Stephanos, das heute immerhin noch 31 Nonnen
beherbergt, ziehen die meisten Touristen an. Die reich geschmückten Kirchen
und Schatzkammern, aber auch die kleinen Museen mit Exponaten aus dem
Alltagsleben der Mönche und Nonnen geben den Besuchern einen Einblick in die
klösterliche Welt. Besonders sehenswert ist das abenteuerlich gelegene
Kloster Varlaám, durch einen tiefen Abgrund von seinem Nachbarkloster
getrennt, mit seinen beiden Kirchen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, in denen
eine große Zahl wunderschöner alter Ikonen und Fresken erhalten geblieben
ist. Prunkstücke sind ein ikonengeschmücktes vergoldetes Templon
(Predigtstuhl), ein Bischofsthron und zweiflügelige holzgeschnitzte Türen.
Das alte Refektorium, der ehemalige Speisesaal der Mönche, ist jetzt ein
Museum mit kostbaren Schätzen. Auch in diesem Kloster werden Besuchergruppen
durch die Anlagen geführt. Doch der eigentliche Wohn- und Lebensbereich der
Mönche bleibt den Touristen natürlich verschlossen. Gerade die kleineren und stilleren Klöster verbergen Schätze, die zu
entdecken sich lohnt. So das überaus fotogen auf einem überhängenden Felsen
gelegene Agia Triada - in dem aber z.Z. nur noch 4 Mönche leben. Hier
empfängt Vater Jochen die Besucher mit einem Stück Zuckerwerk und einem
griechischen Kaffe und demonstriert, dass griechische Gastfreundschaft auch
hinter Klostermauern gilt. Bizarr wirkt das kleine Kloster Rousánou, das wie eine Krone auf einem
senkrecht ansteigenden Basaltblock thront und das man nur von einem
Nachbarfelsen über eine Brücke erreichen kann. Es wurde im Mittelalter -
wann genau, ist nicht mehr zu ermitteln - auf den Resten einer verfallenen
älteren Kirche errichtet. Die meisten seiner Schätze wurden geplündert oder
zerstört, und das Kloster war in der Mitte des letzten Jahrhunderts völlig
verlassen, bis eine Gruppe von Frauen beschloss, das Bauwerk in Stand zu
halten und hier ein Frauenkloster einzurichten. Jetzt wird das Gebäude von 12
Nonnen bewohnt, die wohl die Anlage ohne Unterstützung von außen nicht vor
dem Verfall retten können. Denn der bescheidene Eintrittspreis von 2 €, der
hier wie überall in den Klöstern verlangt wird, dürfte für eine
Renovierung der Klosterkirche kaum reichen. Nur wenige Besucher finden
hierher, doch sie werden sehr höflich begrüßt und eine junge Novizin, die
sogar etwas Deutsch spricht, zeigt ihnen gern die Räume des dreistöckigen
Klostergebäudes, die Fresken aus dem 16. Jahrhundert, das holzgeschnitzte
Templon sowie die wundervollen Wandmalereien in der Kirche, die leider durch
Feuchtigkeit an einigen Stellen gelitten haben. Spätestens gegen 17 Uhr ist die Besuchszeit in den meisten Klöstern
beendet. Der alte Mönch in Metamórfosi schlägt das Simantro, das Klangholz,
das im Gang vor der Kapelle an der Wand befestigt ist. Während die letzten
Gäste zum Ausgangstor geleitet werden, versammeln sich die Mönche zum Gebet
und nehmen im Refektorium ihr Abendmahl ein, eine Suppe, ein wenig Gemüse,
Brot, Wasser und ein Glas Wein, während einer der Brüder aus der Bibel
vorliest. Gegen 20 Uhr ziehen sie sich zur kurzen Nachtruhe zurück, denn
schon kurz nach Mitternacht beginnt für sie ein neuer Arbeitstag mit einem
Frühgottesdienst. Die meisten Besucher erfahren jedoch kaum etwas vom Leben der Mönche, das
durch Fasten, Wachen, Arbeit und Gebet erfüllt ist. Ihnen bleiben
Urlaubserinnerungen an goldverzierte Ikonen, eindrucksvolle Bauwerke und eine
faszinierende Landschaft ... Veröffentlichungen meiner Fotos und
Texte über Griechenland erfolgten in den Zeitungen und Magazinen: Aachener
Zeitung/Aachener Nachrichten - Badische Neueste Nachrichten – Freizeit Revue
– Hannoversche Allgemeine – Kölnische Rundschau - Laura – Leipziger Volkszeitung – Mannheimer Morgen –
Saarbrücker Zeitung – Welt am Sonntag – WAZ-Gruppe
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