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Berichte
zum lesen und schauen:
Camargue-Land
zwischen Seen und Meer
Bergkobolde
und Schneegespenster am Lötschberg
Santorini
Aletschgletscher:Die
Schönheit zerfließt
Gletscher
wanderung
unten
heiß - oben weiß
Meteora-Klöster
tuerkische
Gastfreundschaft
El Hierro
Segovia
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Die Camargue
Land
zwischen Seen und Meer
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Flamingos in der
Camargue |
Wer sie einmal besucht hat, erliegt
immer wieder ihrem Reiz. Die Camargue, das sind weiße Wildpferde, schwarze
Stiere und rosafarbene Flamingos. Eine Landschaft mit Sümpfen, verwehten
Salzsteppen und endlosen Dünen, aber auch traditionsreichen Orten wie Arles und
Les Saintes Maries de la Mer. Eine Zufluchtsstätte besonderer Art, für Tiere
und sicher auch für Menschen.
Am späten Nachmittag sind sie plötzlich da, die „fliegenden Blumen der
Camargue“, wie der provencalische Hirte und Dichter Marquis Baroncelli die
Flamingos genannt hat. Eine rosafarbene Wolke erhebt sich über den Teichen, die
sich im Licht der tief stehenden Sonne in rotgoldene Spiegel verwandeln. Mit
weit vorgestrecktem Hals, unverkennbar in der Haltung,
fliegt ein riesiger Schwarm über das Sumpfland zum Etang de Vaccarès,
ein Anblick, der die Besucher aus aller Welt immer wieder fasziniert.
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Hochzeitsflug |
„Über 350 Arten von Zugvögeln machen auf ihrer Reise von Europa nach
Afrika und zurück in unserem Vogelparadies Station“, erklärt Jean Briffaut,
Direktor des Naturparks Domaine de la Palissade. „1972 wurde ein großer Teil
des Schwemmlands an der Rhônemündung unter Naturschutz gestellt. Um die unberührte
Natur zu erhalten, dürfen besonders empfindliche Regionen selbst von Fußgängern
nicht betreten werden.“ Gut getarnte Unterstände ermöglichen an manchen
Stellen, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten: Wildenten und Stockenten
verbergen sich im Schilf, Wasserhühner und purpurrote Reiher tummeln sich im
Wasser, Bussarde und Sperber kreisen über der Steppe. „Wer alles ganz bequem
auf einmal sehen möchte, sollte den 7 Hektar großen Vogelpark von Pont de Gau
besuchen. Dort kommt man auch den sonst scheuen Flamingos ziemlich nah.“ Der Führer
rupft einen Grashalm aus. „Probieren Sie mal, das Gras schmeckt salzig. Hier
im Naturpark finden Sie noch die ursprüngliche Camargue, ohne schützende
Deiche. Wegen der regelmäßigen Überflutungen lebt hier eine ganz spezifische
Pflanzen- und Tierwelt.“
Seit Urzeiten ist das Land im Rhônedelta südlich von Arles Heimat der weißen
Pferde. Schon die alten Römer schätzten die kleinen, aber kräftigen Tiere,
die das ganze Jahr unter freiem Himmel leben. Wenn die zunächst braunen Fohlen
erwachsen sind, werden sie eingefangen und von den Gardians (Hirten)
zugeritten. „Die besten Pferde brauchen wir für das Treiben der
Rinder“, sagt der Pferde- und Stierzüchter Pierre Blanc. Wenn seine Tochter
und er ihre Pferde satteln, zurren sie die weichen Ledersättel und die Steigbügel,
die wie kleine eiserne Käfige aussehen, so fest, dass die Reiter auch bei
heftigen Bewegungen im Gelände nicht abgeworfen werden können. „Es ist gar
nicht so einfach und auch nicht ganz ungefährlich, aus einer frei lebenden
Stierherde ein einzelnes Tier auszusondern, noch schwerer, die ganze Herde zu
treiben und „Ausbrecher“ zurückzubringen.“
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Auch Camargue-Pferde
lieben Leckerbissen |
Pierre Blanc besitzt 170 reinrassige Camargue-Stiere (erkennbar an den typischen
ausladenden Hörnern), deren Vorfahren schon zur Zeit der Gallier auf den
Salzsteppen weideten. Die besten Bullen werden für den Mini-Stierkampf
ausgesucht. Hier geht es dem Stier nicht ans Leben: Unbewaffnete junge Männer
in weißen Anzügen versuchen dem schwarzen Koloss eine zwischen den Hörnern
befestigte Kokarde zu entreißen. Das schwarz-weiße Ballett von Kraft und
Geschicklichkeit in der Arena von Les-Saintes-Maries-de-la-Mer begeistert die
Besucher oft mehr als das blutige Schauspiel in spanischen Stierkampfarenen.
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unblutiger Stierkampf
in Stes Maries de la Mer |
In der kleinen Touristenstadt zwischen Meer und Mündung der kleinen Rhône geht
es im Frühling und Herbst recht gemütlich zu. Zum Wandern oder für Radtouren
(Fahrradverleih am Ort!) entlang der Dünen oder in den Naturpark ist das Wetter
jetzt gerade richtig. Ein besonders Erlebnis ist natürlich der Ausritt auf den
weißen Camargue-Pferden. Zahlreiche Reitställe, oft in Verbindung mit zünftigen
Hotels und Restaurants, bieten Touren von einer Stunde bis zu einem halben Tag
an. Auf speziellen Pfaden abseits der Straßen, durch flache Teiche und
Sumpfgebiete, gelangen die Naturfreunde in eine einsame faszinierende
Landschaft, wo kein Auto, ja nicht einmal eine Fußgängergruppe die Ruhe stört.
Man könnte tatsächlich glauben, wieder am Anfang der Schöpfung angelangt zu
sein. „Wie ein Paradies“, sagt eine Reiterin und findet ungeteilte
Zustimmung.
Mittelpunkt von Saintes-Maries ist die mittelalterliche Wehrkirche, im 12.
Jahrhundert zum Schutz gegen Piraten erbaut und heute ein origineller
Aussichtsturm: Ein bisschen abenteuerlich ist der Aufstieg auf das Kirchendach,
belohnt wird man durch den wunderbaren Blick auf die Seenlandschaft ringsum. Im
Kirchenraum stehen die Skulpturen der drei Marien, denen der Ort seinen Namen
verdankt. Besonders interessant ist die dunkle Sara. Die Zigeuner verehren die
„schwarze Maria“ als ihre Schutzheilige und feiern ihr zu Ehren jährlich im
Mai ein großes Fest mit einer bunten Prozession, die Tausende von Zuschauern
anlockt.
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Wehrkirche von Stes
Maries de la Mer |
Um die leckeren Produkte der Provence
kennen zu lernen, das frische Gemüse, das Obst, den Rohschinken, die Salami aus
Stierfleisch und die diversen Käsesorten - und sich vielleicht auch durch die
ein oder andere Gratisprobe zum Kauf verführen zu lassen -
sollte man sich einen halben Tag Zeit nehmen: Ein riesiges und sogar
recht preiswertes Angebot gibt es jeden Samstag auf dem kilometerlangen Straßenmarkt
in Arles. Beim Besuch der kleinen Römerstadt am Eingang der Camargue entdeckt
man auf Schritt und Tritt auf einzigartige Kulturdenkmäler. Hilfreich ist ein Plan
(gratis) aus dem Verkehrsbüro, der nach Themen geordnete Rundwege (z.B.
„Antike“, „Renaissance“, „Kunst“) für eine Erkundung vorschlägt.
Die berühmtesten Baudenkmäler, das antike Theater sowie die Arena, werden noch
heute zu Veranstaltungen genutzt. Ein besonders hübscher Platz ist das
ehemalige römische Forum, wo das
Café „La Nuit“, Lieblingskneipe des Malers van Gogh, noch fast genau so wie
auf seinem berühmten Gemälde erhalten ist.
Den schönsten Blick auf Arles – bei einem guten französischen Dinner –
genießt man vielleicht vom Restaurantschiff „La Péniche. Auf der anderen Rhôneseite
erstrahlt am Abend die alte Römerstadt im Licht der Scheinwerfer, während man
sich das zarte Steak vom Camargue-Rind schmecken lässt.
Eine Variante dieses Berichts ist erschienen im
"Mannheimer Morgen"
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